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Sich für alle verantwortlich fühlen müssen: Woher das kommt

12. Okt.
2 Min. Lesezeit

Ich hab mal fünfzehn Jahre mit einer Frau zusammengearbeitet, die meine Arbeit für sich genutzt hat. Ich hab mitgedacht, ihr den Rücken freigehalten und bin eingesprungen, wenn sie etwas nicht bedacht hatte. Und wenn ich mal etwas nicht in ihrem Sinne gemacht hab, wurde ich beschimpft. Was ich damals nicht wusste: Es hielt mich etwas fest, nämlich das Gefühl, mich für alle verantwortlich fühlen zu müssen.


Gesagt hätte ich das nie so. Ich hab es einfach gelebt.


Es gibt einen Moment, der mir bis heute nicht aus dem Kopf geht.


Das Laternenfest in der Kita. Mein damaliger Mann war gekommen, um mir zu helfen, freiwillig, weil er mich unterstützen wollte. Sie kam zu spät und schnauzte ihn an, weil der Kakao anbrannte. Und ich? Ich hab aufgefangen und beschwichtigt und versucht, es nach allen Seiten wieder auszugleichen. Konfrontiert hab ich nichts.


Irgendwann bin ich gegangen, ohne je gesagt zu haben, was wirklich los war.


Sich für alle verantwortlich fühlen müssen ist kein Charakterfehler


Lange hab ich gedacht, das war Schwäche. Heute weiß ich: Mir hat die Sprache dafür gefehlt. Ich hatte keine Worte für das, was da lief.


Hinter dem Auffangen, dem Beschwichtigen und dem Weitermachen steckte eine Überzeugung, die so tief saß, dass ich sie jahrelang nicht mal gesehen hab: Ich bin verantwortlich dafür, dass es allen gut geht. Und solange du diesen Satz nicht bemerkst, ändert sich nichts, weil du gar nicht weißt, was dich festhält.


Das ist kein Versagen. Dieser Satz hat dir irgendwann geholfen, dazuzugehören, Streit zu vermeiden und dich sicher zu fühlen. Es war eine kluge Lösung. Nur wird aus etwas, das früher geholfen hat, später oft eine Last.


Woran du merkst, dass du auffängst


Das begegnet mir heute regelmäßig in meiner Arbeit: Frauen, die tragen und schlucken und liefern und sich irgendwann fragen, warum sie so erschöpft sind, obwohl sie doch alles im Griff haben. Im Job, in der Familie und in der Beziehung fangen sie zuerst auf. Welche Überzeugung sie dabei antreibt, hat ihnen noch niemand gezeigt.


Vielleicht erkennst du dich in einem davon wieder:


  • Du entschuldigst dich für etwas, das du gar nicht gemacht hast.

  • Du gleichst die Stimmung aus, noch bevor jemand etwas gesagt hat.

  • Du springst ein, obwohl dich niemand darum gebeten hat.

  • Du sagst „ist schon gut", obwohl es das nicht ist.


Du musst dich nicht länger für alle verantwortlich fühlen, nur weil du es jahrelang getan hast. Aber du kannst es erst verändern, wenn du es siehst.


Wenn du wissen willst, welche innere Stimme bei dir am lautesten ist:



Ein kleiner Schritt für diese Woche


Schau diese Woche mal hin, wann du das nächste Mal automatisch auffängst oder beschwichtigst, ohne dass dich jemand darum gebeten hat. Du musst es nicht sofort ändern. Es reicht für den Anfang, es einmal zu sehen.


Genau da fängt Selbstwirksamkeit an: in dem Moment, in dem du merkst, was dich antreibt.


Wenn du wissen willst, welche innere Stimme bei dir am lautesten ist, mach meinen kostenlosen Antreiber-Test. Dann siehst du, was hinter dem Gefühl steckt, dich verantwortlich fühlen zu müssen.



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Liebe Grüße

Uta

 
 
 

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