Innere Antreiber: Warum du ständig erschöpft bist
Du weißt, dass du müde bist, aber du kannst nicht sagen, warum. Von außen betrachtet hast du eigentlich alles, was du brauchst, und trotzdem fühlt sich jeder Tag an, als würdest du gegen einen leichten Widerstand anlaufen. Wenn du das kennst, liegt es selten daran, dass du zu wenig schläfst oder dich schlecht organisierst. Meistens läuft im Hintergrund etwas mit, das du längst für deinen Charakter hältst.
Was innere Antreiber sind
Innere Antreiber sind Überzeugungen, die wir so früh gelernt haben, dass sie sich heute nicht mehr wie Gedanken anfühlen, sondern wie Tatsachen. „Ich muss es richtig machen." „Ich darf niemandem zur Last fallen." „Ich muss stark sein." Solche Sätze denkst du nicht bewusst, du handelst einfach danach.
Sie stammen fast immer aus deiner Kindheit, aus Momenten, in denen ein bestimmtes Verhalten gelobt wurde oder in denen bestimmte Gefühle unerwünscht waren. Damals waren sie klug, denn sie haben dir gezeigt, wie du Anerkennung bekommst und Ärger vermeidest. Das Problem ist nur, dass sie weiterlaufen, auch wenn dein Leben längst ein anderes ist und sie dich inzwischen mehr kosten, als sie dir geben.
Die fünf häufigsten inneren Antreiber
Das Konzept stammt ursprünglich aus der Transaktionsanalyse. In meiner Arbeit begegnen mir immer wieder dieselben fünf.
Sei perfekt. Alles muss gut werden, und zwar richtig gut. Ein Fehler fühlt sich an wie ein Versagen. Das kostet still viel Kraft, weil du nie fertig bist, es geht ja immer noch etwas besser.
Sei stark. Hilfe anzunehmen fühlt sich falsch an, Schwäche zu zeigen erst recht. Der Standardsatz gegen die eigenen Bedürfnisse lautet: Andere schaffen das doch auch. Wer immer stark sein muss, merkt irgendwann gar nicht mehr, wann er wirklich erschöpft ist.
Streng dich an. Was sich leicht anfühlt, zählt nicht. Erholung muss verdient werden, und eine Pause riecht nach Faulheit. So entsteht ein Alltag, in dem du dich ständig vor dir selbst rechtfertigen musst.
Mach es allen recht. Wenn alle zufrieden sind, darfst du auch zufrieden sein. Das Ja rutscht dir raus, bevor du überhaupt gefragt hast, was du eigentlich willst. Und abends merkst du, dass wieder alle bekommen haben, was sie brauchten, nur du nicht.
Beeil dich. Immer schneller, immer sofort, immer zu wenig Zeit. Selbst wenn du sitzt, ist da diese Unruhe, die dich weitertreibt.
Warum du deinen eigenen Antreiber so schwer erkennst
Der Grund ist einfach: Ein Antreiber fühlt sich nicht an wie eine Überzeugung, er fühlt sich an wie du. Du hältst ihn für deinen Charakter, für deine Werte, für das, was dich ausmacht. Deshalb kommen die meisten Frauen erst dann darauf, wenn sie merken, dass sie in ganz unterschiedlichen Situationen immer wieder auf dieselbe Art reagieren, auch wenn es ihnen schadet.
Was du damit machen kannst
Der erste Schritt ist, ihn zu bemerken, ohne ihn zu bewerten. Du musst deinen Antreiber nicht bekämpfen und auch nicht loswerden. Es reicht völlig, wenn du in dem Moment, in dem er anspringt, innerlich sagen kannst: Ah, da ist er wieder.
Diese eine Sekunde schafft Abstand, und aus diesem Abstand heraus kannst du wählen, statt automatisch zu reagieren. Das geht nicht von heute auf morgen, und es ist auch kein Projekt, das du abarbeiten musst. Es ist der Anfang davon, wieder mehr du selbst zu sein und weniger das, was du früh gelernt hast zu sein.
Welcher Antreiber bei dir am lautesten ist
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