Pflegeleicht sein: Was dich das jeden Tag kostet
„Sie macht nie Theater." Vielleicht hast du das schon mal über dich gehört. Vielleicht sagst du es auch selbst, als Erklärung oder als kleines Qualitätsmerkmal. Pflegeleicht sein klingt ja erst mal gut: Du machst keinen Aufstand, du kriegst alles hin, bei dir läuft es.
Und es erschöpft dich seit Jahren.
Pflegeleicht sein ist gelernt
Niemand wird pflegeleicht geboren. Irgendwann früh haben viele von uns gemerkt: Wenn ich keine Ansprüche stelle, gibt es keinen Streit. Wenn ich mich anpasse, werde ich gemocht. Wenn ich für die anderen funktioniere, bin ich willkommen.
Für ein Kind war das eine kluge Lösung. Es hat verstanden, wie es in seiner Familie am besten klarkommt. Nur gilt diese Lösung heute noch, obwohl du längst erwachsen bist und die Familie von damals nicht mehr mit am Tisch sitzt. Pflegeleicht sein hast du gelernt, es gehört nicht zu deinem Wesen.
Wie sich pflegeleicht sein im Alltag zeigt
Es sind selten die großen Dinge. Meistens sind es die kleinen:
Du sagst „ist okay", obwohl es nicht okay ist.
Du übernimmst eine Aufgabe, die eigentlich jemand anderes hätte.
Du erklärst dich, bevor dich überhaupt jemand fragt.
Du stimmst zu, obwohl du keine Zeit hast, weil ein Nein sich so endgültig anfühlt.
Pflegeleicht sein fällt kaum jemandem auf, am wenigsten dir selbst. Und abends fragst du dich, was du heute eigentlich wolltest. Eine Krise ist das meistens nicht, eher dieses leise Gefühl, den ganzen Tag für andere da gewesen zu sein und kaum noch zu wissen, was du selbst brauchst.
Je pflegeleichter du bist, desto mehr wird erwartet
Das ist die bittere Ironie. Je weniger du von dir zeigst, desto mehr übernimmst du. Dein Einsatz wird selbstverständlich, du wirst verlässlich, und mit der Zeit wird immer mehr von dir erwartet. Meistens ohne böse Absicht, du hast ja nie etwas anderes gezeigt.
Du hast gelernt, dich selbst wegzudenken, und die anderen haben gelernt, dass das in Ordnung ist. Dafür kannst du nichts, und die anderen auch nicht. Das ist ein Muster, und Muster halten genau so lange, bis jemand sie bemerkt.
Der erste Schritt, wenn du nicht mehr pflegeleicht sein willst
Das große Gespräch mit allen, die etwas von dir erwarten, brauchst du dafür nicht. Der erste Schritt ist kleiner: bemerken.
Wann bist du pflegeleicht, obwohl du es gar nicht sein willst? In welchem Moment sagst du Ja und meinst Nein? Und was passiert in dir kurz davor?
Wenn du weißt, wann das bei dir anspringt, kannst du anfangen, es zu unterbrechen. Nicht perfekt und nicht sofort. Aber du entscheidest es dann selbst. Das reicht für den Anfang.
Wenn du dir einmal ansehen möchtest, was du alles trägst, ohne dass es je jemand entschieden hat, ist meine Not-To-Do-Liste ein guter Anfang. Du musst noch nicht wissen, wohin du willst. Fang bei dem an, was weg darf.
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Liebe Grüße
Uta




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