top of page

Perfekte Mutter sein: Wann wurde das eigentlich beschlossen?

12. Okt.
3 Min. Lesezeit

Wann wurde eigentlich beschlossen, dass Mütter perfekt sein müssen? Kann mir das jemand verraten? Denn für die perfekte Mutter gelten ziemlich viele Regeln:


Wir dürfen keine schlechte Laune haben. Wir dürfen keine eigenen Themen haben und keine schwierige Kindheit mitbringen. Wir dürfen nicht laut werden und nicht zu sichtbar sein, eine eigene Meinung ist auch nicht vorgesehen, und eigene Bedürfnisse bitte erst recht nicht. Wir sollen zurückstecken, für alle da sein, verfügbar, freundlich und gut drauf. Den Vater der Kinder dürfen wir nicht infrage stellen. Und Dinge aussprechen, sichtbar machen oder anzweifeln dürfen wir natürlich auch nicht.


Im nächsten Leben werde ich einfach Vater. Da muss ich nicht perfekt sein.


Und trotzdem hält sich die perfekte Mutter als Ideal so hartnäckig. Darüber möchte ich mit dir nachdenken.


Die perfekte Mutter hat keinen Platz für Fehler


Mütter sind in der Regel mehrfach belastet: durch die eigene Berufstätigkeit, die Care-Arbeit, den Mental Load und die Kindererziehung. Das macht den Alltag zu einer unfassbaren Herausforderung, besonders wenn man alleinerziehend ist. Und wer so belastet ist, wird irgendwann gereizt und reagiert nicht immer so, wie man es sich wünscht.


Trotzdem höre ich, wenn es um schwierige Kindheiten geht, fast immer nur vom Versagen der Mütter. In meinen Beratungen, in der Frauenberatungsstelle und auch auf Instagram erlebe ich oft, dass nur eine Seite angeschaut wird. Das lässt mich nicht los.


Natürlich tut es Kindern nicht gut, wenn Eltern überlastet sind, laut werden und vielleicht auch mal grob. Das ist keine Entschuldigung dafür. Dass Eltern aber auch Menschen sind, möchte ich trotzdem mitdenken.


Wenn dich das gerade selbst beschäftigt: Mein Energie-Test zeigt dir, wohin deine Kraft im Alltag geht.



Wer da ist, kann etwas falsch machen


Wer nur alle vierzehn Tage für ein Wochenende da ist und dann vielleicht nur tolle Sachen unternimmt, hat natürlich ganz andere Berührungspunkte. Und wer Erziehung damit verwechselt, alles laufen zu lassen und keine Grenzen zu setzen, hat bei den Kindern ein deutlich leichteres Spiel.


Das gilt nicht nur für den Elternteil, der alle vierzehn Tage kommt. Auch beim Wechselmodell ist es oft so, dass das, was in der Beziehung schon nicht geklappt hat, nun in getrennten Haushalten weiterläuft. Einer kümmert sich, spricht Dinge an, fragt nach, bleibt bei den Schulthemen dran und hat die Herausforderungen des Lebens im Blick, die kleinen und die großen. Der andere lässt laufen und nimmt, wie es kommt.


Ein Elternteil, der sich überall rauszieht, weil er es angeblich nicht so gut kann, oder der sich aus Desinteresse weder um Schulthemen noch um Weihnachtsgeschenke noch um die nächstgrößere Hosengröße Gedanken macht, hat einfach viel weniger Stress im Alltag. Strategische Inkompetenz ist dafür der passende Begriff.


Und wenn dann aufgerechnet wird, heißt es oft: Der musste ja auch arbeiten. Oder man erinnert sich einfach an weniger aufgeheizte Situationen. Dabei ist Erinnerung keine Videoaufnahme, das weiß man aus der Forschung. Wenn ein Kind nach einer Trennung jahrelang hört, wie es angeblich war, kann ihm diese Version irgendwann wie die eigene Erinnerung vorkommen.


Ich glaube, wir dürfen das mal so aussprechen, wie es ist: Wer da ist, kann etwas falsch machen. Wer Erziehung aktiv gestaltet, hat auch mal Reibungspunkte, macht Fehler und setzt manchmal Grenzen, die Kinder eventuell nicht nachvollziehen können.


Eine perfekte Mutter gibt es nicht, ehrliche Eltern schon


Eine perfekte Mutter gibt es nicht. Aus meiner eigenen Erfahrung und aus dem Wissen, das ich über die Jahre zusammengetragen hab, würde ich sagen: Dass Eltern Fehler machen, ist nicht das Problem. Zum Problem wird es, wenn Eltern ihre Fehler nicht zugeben, sie nur auf eine Seite schieben und sich selbst nicht mit in die Gleichung nehmen. Ich hab den Kontakt zu meinen Eltern selbst abgebrochen. Wenn Eltern keine Verantwortung übernehmen oder sogar behaupten, es wäre nie so gewesen, kann das für dich als Erwachsene ein heilsamer Weg sein.


Ich bin selbst Mutter von drei Kindern und seit über zehn Jahren alleinerziehend. Auch ich höre hier und da diese einseitige Beschreibung und frage mich manchmal, wie ich dabei nicht zu wütend werde. Ohnmächtig soll es mich jedenfalls nicht machen. Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, und der andere Elternteil ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Ich muss nur gut darauf achten, dass ich mich daran nicht aufreibe.


Wie gehst du damit um, wenn dich so etwas wütend macht? Schreib mir gern, wie du das erlebst. Und wenn du gerade nicht weißt, was dich am meisten Kraft kostet, mach meinen kostenlosen Energie-Test. Danach weißt du es.



Weiterlesen



Liebe Grüße

Uta

 
 
 

Kommentare


bottom of page