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Du musst dich nicht erklären, wenn du Nein sagst

12. Okt.
3 Min. Lesezeit

Es ist ein kurzer Satz: Ich kann das nicht. Trotzdem fällt er den meisten Frauen unglaublich schwer, und deshalb kommt er selten allein. Meistens hängt noch ein ganzer Rattenschwanz dran, von den Kindern über den Termin bis zu der Versicherung, dass man ja eigentlich wahnsinnig gern dabei gewesen wäre.


Wenn du das kennst, hat das einen Grund. Wir haben gelernt, dass ein Nein erst dann gilt, wenn genug Erklärung drumherum steht.


Warum wir uns ständig erklären (Spoiler: Du musst dich nicht erklären)


Erklärungen fühlen sich höflich an, und manchmal sind sie das auch. Daneben gibt es aber eine andere Sorte, die nicht aus Rücksicht kommt, sondern aus einem Gefühl darunter: Ich brauche dafür eine Erlaubnis. Aber du musst dich nicht erklären.


Wenn ich meine Grenze begründe, bevor ich sie überhaupt gesetzt habe, sage ich mir damit selbst, dass das, was ich brauche, nicht von allein in Ordnung ist. Es muss erst gerechtfertigt werden, und erst wenn mein Gegenüber es versteht, darf mein Nein gelten. Das ist kein Charakterfehler, das ist gelernt. Kaum eine von uns ist damit aufgewachsen, die eigenen Bedürfnisse als selbstverständlich zu behandeln. Kümmern war gut, verfügbar sein war gut, funktionieren war gut, und sich selbst wichtig zu nehmen war kompliziert.


Was der Erklärungszwang dich kostet


Er kostet zuerst einmal Kraft, weil du ständig formulierst, abwägst und dir vorher überlegst, wie du es sagen kannst, ohne dass jemand enttäuscht ist.


Er kostet Selbstachtung, weil du dir bei jeder Begründung wieder bestätigst, dass deine Grenze allein nicht ausreicht.


Und er kostet dich etwas, das kaum jemand bemerkt: die Erfahrung, dass deine Grenzen einfach gelten dürfen. Wenn du dir angewöhnst, alles zu erklären, verlernst du irgendwann, dir selbst zu glauben. Du weißt, dass du erschöpft bist, aber du erlaubst es dir erst, wenn du einen guten Grund vorweisen kannst. Genau an diesem Punkt sitzen viele Frauen bei mir im Gespräch. Sie wissen längst, dass Pausen erlaubt sind und dass sie Nein sagen dürfen. Was fehlt, ist die innere Erlaubnis.


Grenzen setzen ohne Erklärung


Das ist keine Frage der richtigen Formulierung und auch keine Gesprächstechnik, die man üben muss, bis sie sitzt. Es ist eine Frage der Selbstachtung, und die zeigt sich daran, dass du deine eigenen Bedürfnisse genauso selbstverständlich behandelst wie die von allen anderen.


Das heißt nicht, dass du grob wirst oder jede Rücksicht ablegst. Es heißt nur, dass der Satz kurz sein darf.


„Das geht bei mir gerade nicht."

„Ich schaffe das heute nicht."

„Ich möchte das nicht."


Kein Roman, kein Wenn und Aber, kein vorauseilendes Verständnis für die andere Seite. Je mehr du erklärst, desto mehr lädst du dein Gegenüber ein, mit dir zu verhandeln.


Was passiert, wenn du damit anfängst


Am Anfang fühlt es sich falsch an. Das erste Nein ohne Begründung sitzt seltsam, und du wirst dich hinterher fragen, ob das jetzt zu schroff war. Manche Menschen reagieren tatsächlich irritiert. Das ist aber kein Beweis dafür, dass du falsch liegst, sondern eine Auskunft darüber, worauf diese Beziehung bisher gebaut war.


Nach einer Weile merkst du etwas anderes. Du hast mehr Kraft, weniger Groll und eine klarere Vorstellung davon, was du gibst und warum. Von außen hat sich nichts verändert, du hast nur aufgehört, dich selbst ans Ende der Liste zu setzen.


Wenn du das üben möchtest


Es hilft, einmal aufzuschreiben, was du überhaupt alles übernommen hast, ohne dass es je jemand entschieden hätte. Genau dafür habe ich meine Not-To-Do-Liste gemacht. Du gehst durch, was du gerade mitträgst, streichst das, was nicht deine Aufgabe ist, und bekommst einen Gesprächsleitfaden dazu, mit dem du es zu Hause ansprechen kannst, ohne dass es in einem Streit endet. Sie kostet 7 €.


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